Parnassius apollo - Apollo
Beschreibung
Falterbeschreibung: Der Apollo kommt in allen europäischen Gebirgen in inselartigen Kolonien vor. Er fällt als grosser, weisser Falter mit lebhaftem, flatterndem oder gleitend-gaukelndem Flug auf. Auf der Oberseite der Hinterflügel befinden sich je zwei rote, oder rotweisse Augenflecken, die schwarz umrandet sind. Das Weibchen ist grösser und im allgemeinen dunkler gefärbt. Die Begattungstasche ist braunschwarz. Der Apollofalter ist eine variable Art; innerhalb der gleichen Population treten stark unterschiedlich gezeichnete Exemplare auf, vor allem in Bezug auf die Augenflecke.
Eibeschreibung: Das runde, weisse Ei ist abgeplattet und weist eine körnige Oberfläche auf. Am Pol befindet sich eine rosettenartige Struktur.
Raupenbeschreibung: Die Raupe ist samtartig, schwarz und kurz behaart. Seitlich zeigt sie in jedem Segment je drei dunkelrote, orangerote oder selten gelbe Flecke. Die Apolloraupe ist von der Raupe des Alpenapollos kaum sicher zu unterscheiden.
Puppenbeschreibung: Die dunkelbraune Farbe der Bodenpuppe ist im allgemeinen nicht sichtbar, da sie von einem bläulichweissen, puderartigen Überzug verdeckt wird. Die Puppe ist von einem lockeren Gespinst umgeben.
Ökologie
Ei: Die Eier werden einzeln an die Futterpflanze oder in deren unmittelbarer Nähe abgelegt, manchmal mehrere Eier nahe beieinander, was später dann zum Bild von Raupennestern führt. In der Regel überwintert die fertig entwickelte Jungraupe in der Eihülle. Gelegentlich können aber einzelne Raupen bereits im Spätherbst die Eihülle verlassen und überwintern dann frei.
Raupe: Die Raupe frisst ein Loch in die Eihülle, ohne aber diese ganz aufzufressen. Zuerst werden nur die Herzblätter der Knospen angefressen; die Jungraupe kann die Blatthaut älterer Blätter offenbar noch nicht durchbeissen. Die heranwachsende Raupe frisst sehr lebhaft, besonders bei voller Sonnenbestrahlung und hohen Temperaturen. Bei Störungen stülpt sie die rötliche Nackengabel aus und macht ruckartige Bewegungen mit dem Vorderleib.
In der Schweiz ist der Weisse Mauerpfeffer (Sedum album) die Futterpflanze der Wahl. In der Literatur werden ausserdem Sedum telephium, S. annuum, S. villosum, Rhodiola rosea und Sempervivum tectorum genannt.
Puppe: Die Raupe fertigt in Bodennähe unter oder zwischen Steinen, zwischen den Stengeln der Futterpflanze oder in Bodenvertiefungen ein lockeres Gespinst an. Nach Abstreifen der Raupenhaut ist die Puppe zuerst hellbraun. Sobald sie trocken ist, bildet sich auf ihrer Oberfläche ein bläulichweisses Puder, das bei Berührung leicht entfernt wird. Die Puppenruhe dauert sehr unterschiedlich lange, meist zwischen zehn Tagen und mehreren Wochen.
Falter: Der Apollo fliegt in einer langgestreckten Generation je nach Höhenlage von Ende April bis Ende September. Die Männchen schlüpfen etwas früher als die Weibchen. Der Apollo saugt gerne an Blüten von Disteln und Skabiosen und übernachtet mit Vorliebe auf Distelblüten. Es wurde beobachtet, dass sich manchmal mehrere Apollos zu «Schlafgemeinschaften» auf kleinem Raum zusammenfinden. Der Falter zeigt ein eigenartiges Verhalten, wenn er erschreckt wird und wegen zu tiefer Körpertemperatur nicht wegfliegen kann: die Vorderflügel werden ruckartig nach vorn geschlagen, wodurch die vier Augenflecke auf den Hinterflügeln plötzlich sichtbar werden. Gleichzeitig reiben das zweite und dritte Beinpaar an der Flügelwurzel der Hinterflügel. Dadurch entsteht ein deutlich hörbares Knistern. Dieser Vorgang dauert etwa eine halbe Minute.
Als Lebensraum bevorzugt der Apollo sonnige, trockene Örtlichkeiten mit magerem, steinigem Grund in der montanen und subalpinen Zone, ausnahmsweise ist er auch im kollinen Bereich anzutreffen.
Ursprünglich waren solche Biotope wohl auf Felswände und Geröllhalden beschränkt. Zusätzliche Biotope stellen heute aber auch Natursteinmauern, Böschungen von Eisenbahnlinien und Strassen, Flusswuhre und Aufschüttungen sowie mit Felsen durchsetzte Weiden dar.
Wenn auch einzelne Populationen auf über 2000m ü.M. vorkommen, so liegen die Flugplätze des Apollos in der Regel doch unterhalb der Waldgrenze, diejenigen des Alpenapollos oberhalb. Gelegentlich treffen diese beiden Arten an der Waldgrenze aufeinander, so dass es zur Kreuzung kommen kann. Solche Kreuzungen sind jedoch auch bei nahe beieinanderliegenden Flugplätzen selten, und die Falter sind nicht immer eindeutig als Bastarde zu erkennen. Dabei ist die Art der Ringelung des Fühlerschafts nicht eindeutig bestimmbar.

Jahreszeitliche Entwicklung

Verbreitung
Der Apollo ist in der ganzen Alpenregion der Schweiz verbreitet. Im Jura und im Voralpengebiet leben nur wenige Kolonien.
Gefährdung
Der Apollo bildet lokal begrenzte Populationen mit stark schwankender Individuenzahl. Da er ein attraktiver Falter ist, könnten kleinere Kolonien im Jura oder in den Voralpen durch intensives Sammeln in ihrem Bestand bedroht werden. Ebenso kann die Art durch Aufforstung, Überbauung von landwirtschaftlich schwer nutzbarem Land usw. lokal zum Verschwinden gebracht werden. An den inneralpinen Fundorten ist die Art nicht gefährdet.
In einigen Fällen wird der Rückgang der Art in scheinbar intakten Biotopen festgestellt. Die Gründe hiefür sind unklar; immerhin könnte der grossräumige Rückgang der geeigneten Lebensräume eine Rolle spielen.
Schutzmassnahmen: Isolierte und tiefgelegene Kolonien verdienen einen gezielten Schutz. Dabei sind der Fortbestand der Futterpflanze sowie das Angebot an Blütenpflanzen wie Disteln, Skabiosen und Witwenblumen zu sichern. Da der Nahrungsbedarf des Apollos gross ist, könnte ein Unterangebot an Saugpflanzen zum bestandsbeschränkenden Faktor werden. Im Berggebiet sichert der Fortbestand der herkömmlichen Landwirtschaftsform das Fortbestehen der Kolonien auf Sekundärstandorten des Kulturlandes.
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